Elektrotherapie

 

 

Wirkungsprinzip:

 

  • Bioelektrizität (Aktionspotentiale) ist die Ursache von Empfindungen (Rezeptoren, Nerven) und von Bewegung (Muskeln).
  • Geignete äußere Reize (Stromimpulse) erzeugen ebenfalls Aktionspotentiale in den Nervenfasern und damit Empfindungen (afferente Reizung) oder Muskelkontraktion (efferente Reizung).

 

Zielsetzung und Indikationsbeispiele:
Elektroanalgesie (Schmerzbehandlung):
Akute Weichteilschmerzen (Prellungen, Stauchungen etc.) Gleichstrom oder diadynamische Ströme. Schmerzhafte Reizung = Prinzip der Gegenirritation.
Chronische Schmerzen (z.B. Rückenschmerzen): Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS). Schmerzarme Reizung = Prinzip der Schmerzüberdeckung.
Muskelstimulation: Nieder- oder mittelfrequente Impulsströme.
Ziele: Kräftigung, Koordinationsverbesserung, Bewegungsbahnung.
Anwendungsgebiete: Vorbeugen von Muskelschwächen oder -ausfällen, Lähmungszustände, gestörte »Willkürmotorik«.
Gewebeerwärmung: Hochfrequenz (Kurzwelle, Dezimeterwelle, Mikrowelle)
Ziele: Tiefenwärmung -> Verbesserung der mechanischen Eigenschaften (Dehn- und Reißfestigkeit etc.) von Muskeln- und Bindegewebe.
Anwendungsgebiete: Muskel- und Gelenkschmerzen.
Nicht anzuwenden: bei Patienten mit Herzschrittmacher

 

Elektrotherapie ist die befundorientierte Behandlung von Schmerz und/oder Muskelschwäche mit definierten Stromformen in korrekter Dosierung.

 

Elektrotherapie
Eleoktrotherapie ist dosierter Stromfluß durch den Menschen mit therapeutischer Zielsetzung. Während früher überwiegend empirische "Beweise" zur Wirksamkeit vorlagen, kennen wir heute wissenschaftlich fundierte Wirkmechanismen der verschiedenen Stromformen. Die befundorientierte Wahl der optimalen Elektrotherapie richtet sich nach folgenden wesentlichen Wirkprinzipien:
  1. Die Polarisation von Zellmembranen und die Veränderung des Ionenmilieus in Membrannähe (Wirkprinzip der Galvanisation).
  2. Auflösung von Aktionspotentialen an der Membranvon Nerven- und Muskelfasern mit geeigneten Impils- und Reizströmen. Bei Reizung afferenter Faser entstehen sensible Empfindungen, bei efferenter Reizung kommt es zur Muskelstimulation.
  3. Hochfrequente elektrische Impulse (oberhalb von einigen 100 kHz) haben keinerlei direkte Wirkung, weder sensibel noch motorisch. Deshalb können beliebig hohe Stromdichte ohne Wahrnehmung fließen, so daß die bei Stromfluß immer freiwerdende Wärme therapeutisch nutzbar wird.
Die drei therapeutischen Zielsetzungen der Elektrotherapie, nämlich Analgesie, Muskelstimulation und Gewebeerwärmung leiten sich unmittelbar aus diesen Wirkprinzipien ab. Andere angebliche Wirkungen, wie hyperämisierend, antiphlogistisch oder antiödematös, wurden früher öfters in den Vordergrund gestellt. Sie können jedoch nicht als direkte Wirkungen des Stromflusses verstanden werden und somit niemals das primäre Therapieziel, jeoch durchaus willkommen, sofern sie auftreten.
Die verschiedenen Stromformen lassen sich drei Gruppen zuordnen:
Die Galvanisation oder Behandlung mit Gleichstrom wirkt niemals muskelstimulierend, das therapeutische Ziel ist immer die Schmerzdämpfung. Indikationen sind eher ausgedehnte Weichteilschmerzen unterschiedlicher Genese, vorwiegend akut-suchronisch (Ischialgien, vertebragene Brachialgien, Fibromyalgien etc.); die Applikation ist eine Volumendurchströmung mit eher großflächigen Elektroden. Anwendungsvarianten sind die Iontophorese und die hydrogalvanischen Zellen- und Stangerbäder.
Niederfrequente Reizströme (unterhalb 1.000 Hz) wirken analgetisch (afferente Reizung) und/oder muskelstimulierend (efferente Reizung); mittelfrequente Ströme vorwiegend muskelstimulierend. Es gibt eine Vielzahl von Varianten, z.B. die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS), diadynamische Ströme und mittelfrequente Interferenzströme.
Die Behandlung mit hochfrequenten elektromagnetischen Feldern und Wellen (Hochfrequenztherapie) dient der Erwärmung tieferliegender Gewebe bei Vermeidung übermäßiger Hautbelastung. Das Gebiet der maximalen Erwärmung liegt dabei in nur wenigen Millimetern Gewebetiefe, was jedoch gegenüber oberflächlicher Erwärmung (Packungen, Wickel) bereits ein großer Vorteil ist. Wirkungen einer moderaten Erwärmung von Kapseln, Bändern, Sehnen und Muskeln sind verbesserte Dehnbarkeit, Verformbarkeit und Reißfestigkeit dieser Gewebe und eine thermoregulatorisch bedingte Muskelerschlaffung. Daraus lassen sich die Indikationsbereiche wie hypertone, verkürzte, (reflex-)dystrophe Muskulatur oder überlastungsbedingte, chronisch-mesenchymale Entzundungzustände von Kapseln, Bändern und Muskel-Sehnen- bzw. Sehnen-Periost-Übergängen ableiten.